Nachhaltig veröffentlichen: Eine umfassende Perspektive

Nachhaltigkeit prägt zunehmend die moderne Gesellschaft und fordert auch von Autor*innen und Verlagen ein verantwortungsbewusstes Handeln. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich genau und wie kann sie erfolgreich im Buchmarkt umgesetzt werden?

Die Grundprinzipien:

Ursprünglich wurden in der Definition von Nachhaltigkeit die Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales als gleichrangige Säulen betrachtet, die das Fundament für nachhaltiges Handeln bilden. Diese Sichtweise, wie von Herrmann (2005) beschrieben, wurde später durch Caroll (1991) um eine vierte Ebene erweitert, die ökonomische, gesetzliche, ethische und philanthropische Verantwortung einschließt.

In jüngerer Zeit hat sich die Betonung auf die Ökologie als grundlegenden Ausgangspunkt für Nachhaltigkeit verschoben (Fehrmann, 2017). Dabei wird die verantwortungsvolle Nutzung natürlicher Ressourcen als entscheidender Faktor für eine nachhaltige Entwicklung in den Säulen Ökonomie, Kultur und Soziales betrachtet. Dieses Modell ist flexibel und kann je nach den Bedürfnissen eines Sektors angepasst werden, wie zum Beispiel im unternehmerischen Kontext von Corporate Social Responsibility (CSR) (Bracker, 2016).

Historische Perspektive und aktuelle Entwicklungen: Die Agenda 21, verabschiedet auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCHE) in Rio de Janeiro im Jahr 1992, legte bereits ein Aktionsprogramm für globale und nachhaltige Entwicklung fest. Unternehmen und Regierungen wurden aufgefordert, ihre Handlungen an diesem Konzept auszurichten.

Trotz politischer Betonung der Nachhaltigkeit zeigt sich in aktuellen Entwicklungen, dass die Gewichtung oft stärker auf ökonomischen Aspekten liegt, während ökologische und soziale Belange vernachlässigt werden. Dies verdeutlicht die Sensibilität des Nachhaltigkeitskonzepts und die potenziell schwerwiegenden Folgen einer Ungleichgewichtung der beteiligten Faktoren.

Umsetzung auf dem Buchmarkt

Wie kann das Konzept der Nachhaltigkeit im Verlagswesen konkret umgesetzt werden? Unternehmen tragen Verantwortung für alle Säulen der Nachhaltigkeit und sollten nicht nur eine einzelne herausgreifen. Auch Autor*innen fungieren als Unternehmen oder Marken. Die Nachhaltigkeit bedient hierbei eine Vertrauens-, Orientierungs- und Identifikationsfunktion, wodurch sie zusätzlich einen psychologischen Nutzen entwickeln kann (Rauch, 2012).

Ökonomie: Ein nachhaltiges Wirtschaften beinhaltet nicht nur die Gewinnerzielung, sondern auch ressourcenschonendes Arbeiten und faire Löhne. Obwohl der Erfolg gerade zu Beginn einer Verlagsgründung oder bei Debütwerken von Selfpublisher*innen möglicherweise Zeit braucht, sollte darauf hingearbeitet werden, langfristig finanziell erfolgreich zu sein.

Soziales: Die Gesellschaftliche Verantwortung zeigt sich unter anderem in pünktlichen und fairen Zahlungen von Tantiemen, korrekten Arbeits- und Verlagsverträgen und der Berücksichtigung individueller Bedürfnisse der Mitarbeitenden und Autor*innen.

Kultur: Die Förderung von kulturellem Austausch und Zusammenarbeit ist ebenso wichtig. Autor*innen und Verlage sollten sich vernetzen, weiterbilden und ihr Wissen teilen, um die Branche als Ganzes voranzubringen.

Ökologie als Grundlage: Im Verlagswesen liegt der Fokus hier vor allem auf dem verantwortungsvollen Umgang mit Papier und anderen Ressourcen. Dies beinhaltet die Auswahl von Umweltpapier, die Vermeidung von Plastikverpackungen und die Nutzung umweltfreundlicher Alternativen bei Messen und Veranstaltungen.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine ganzheitliche Betrachtung der Nachhaltigkeit im Verlagswesen sowohl ökonomische, soziale, kulturelle als auch ökologische Aspekte berücksichtigen muss, um langfristig erfolgreich und verantwortungsbewusst zu agieren.


Quellen:

Bracker, I. (2017): Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship (CC): Selbstbild und Fremdwahrnehmung in der öffentlichen Kommunikation. Voraussetzung, Strukturen und Formen nachhaltigkeitsorientierter Verantwortungskommunikation am Beispiel der Medienwirtschaft. In: Klaus-Dieter Altmeppen, ‎Frank Zschaler, ‎Hans-Martin Zademach (Hrsg.). Nachhaltigkeit in Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer, S. 50-73.

Carroll, A.B. (1991). The Pyramid of Corporate Social Responsibility: Toward the Moral Management of Organizational Stakeholders. Business Horizons 34(4):39-48, DOI:10.1016/0007-6813(91)90005-G

Fehrmann, C. (2017). Wasserkraft und Nachhaltigkeit. Aktuelle Situation. In: Klaus-Dieter Altmeppen, ‎Frank Zschaler, ‎Hans-Martin Zademach (Hrsg.). Nachhaltigkeit in Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer, S. 50-73.

Hermann, S. (2005). Corporate Sustainability Branding. Nachhaltigkeits- und stakeholderorientierte Profilierung von Unternehmensmarken. Wiesbaden: Springer, S. 14.

Rauch, C. (2012): Corporate Sustainable Branding. Ein empirischer Beitrag zum Markenerfolg öffentlich exponierter Unternehmen. Wiesbaden: Springer

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